Kunst der chinesischen Aufklärung - Selbstporträt der Galerie
10/02/2010 23:47
Die Galerie vertritt eine Reihe von chinesischen Künstlern, die ihre ganz individuellen künstlerischen Antworten auf die sich in China abzeichnende gesellschaftliche (und damit auch künstlerische) Umwälzung gefunden haben. Durch die freie und eigenständige Entfaltung ihres individuellen Stils sind sie Vorboten der „Chinesischen Aufklärung“.
Seit Mitte der 90er Jahre hat die sog. neue chinesische Kunst ihren Siegeszug um die Welt angetreten. Insbesondere die Sammlung Uli Sigg spielt dabei eine beherrschende Rolle. Die in dieser Sammlung vertretenen Künstler gelten als Repräsentanten, auf die jeder, der in den westlichen Ländern über chinesische Kunst spricht, hinweist. Diesen im Westen bekannten chinesischen Künstlern sind bestimmte Merkmale gemeinsam, so die totale Abbildlichkeit (Realismus), die plakative Farbigkeit, das Großformat, die Politisierung (eine provokante, zynische Haltung) und die Orientierung an westlichen Vorbildern.
Zwar sind die Bedeutung und die Fortschrittlichkeit dieser Kunst innerhalb des chinesischen Kontexts nicht zu leugnen, aber die einseitige Fokussierung auf diesen „plakativen Realismus“ führt dazu, dass leisere und differenzierte Töne unterschlagen werden. Damit gemeint sind ernsthafte, oft unscheinbare, individuelle Experimente, einen eigenen Stil zu entwickeln und damit die chinesische Kunst zu erneuern.
Solche künstlerischen Versuche zeichnen sich im Gegensatz zu den derzeit im Westen populären effekthaschenden Ansätzen durch wegweisende künstlerische Konzepte aus. Anders als beispielsweise der im Westen derzeit hofierte Ai Weiwei, der ein Interpretationsmonopol der politischen Situation Chinas für sich in Anspruch nimmt und diese für seine Kunst populistisch instrumentalisiert, haben die durch die Galerie vertretenen Künstler je eigene sehr differenzierte Lösungsansätze für unterschiedliche künstlerische Probleme. Ihre Kunst ist insofern politisch, als sie im besten Sinne des Wortes aufklärerisch und (geistig) befreiend wirkt, ganz im Sinne Immanuel Kants:
„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“
Die durch die Galerie vertretenen Künstler bedienen sich nicht nur ihres eigenen Verstandes, indem sie in vorbildlicher Weise eigene Wege gehen, sondern sie regen auch andere an, sich in gleicher Weise zu „befreien“. Sie sind Maler bzw. Zeichner, die ihre handwerkliche Meisterschaft in den Dienst der Fortentwicklung der chinesischen Kunst in Richtung Individualität stellen. Ihre Namen werden künftig nicht mehr unter bloß „chinesischer Kunst“ subsumiert werden, sondern auf einer Ebene mit anderen „internationalen“ bedeutenden Künstlern stehen.
Die Künstler unserer Galerie realisieren die aufgeklärte Avantgarde auf ganz unterschiedliche Weisen.
Zhang Hui kommt von der klassischen chinesischen Tuschemalerei und Kalligraphie. Neben reinen Bewegungsstudien in Tusche, malt sie mittel- und großformatige Ölbilder, die Impulse der klassischen Tuschemalerei aufnehmen. Mit fein aufeinander abgestimmten Farben erzeugt sie tiefgründige Seelenlandschaften, die nur scheinbar etwas abbilden. Anders als im Informel oder Tachismus geht es in diesen Bildern nicht nur um die Unmittelbarkeit des Ausdrucks, vielmehr gelingt es Zhang Huis Pinselführung, östlichen und westlichen Bildaufbau auf einer Leinwand zu verschmelzen. Sie ist eine der wenigen chinesischen KünstlerInnen, die die westliche Farbmetaphorik souverän in den Dienst ihres künstlerischen Konzeptes stellt.
Li Yan malt differenzierte Inszenierungen politischer Ereignisse. Wie ein Regisseur arrangiert er seine miniformatigen Bilder so, dass ihre Hängung die massenmediale Präsentation politischer Geschehnisse abbildet. Mit dieser Inszenierung stellt er visuelle Spannungen zwischen einer Vielzahl von Einzelbildern her, so dass hier eine Kunstform zwischen Malerei und Skulptur entsteht, die die Beziehungen zwischen den Einzelbildern betont und etwas sichtbar macht, was auf keinem der Einzelbilder abgebildet ist.
Fu Rao verfolgt ein ganz anderes Konzept. Er malt mit Bitumen, der ältesten Ölfarbe der Welt, seine geheimnisvollen braunen Bilder, in denen die Grenzen zwischen Gegenstand, Pflanze und Mensch verschwimmen. Seine Bilder wirken lebendig wie natürliche Gewächse. Sie sind im Entstehen und tragen doch bereits Spurten des Verfalls in sich.
Wang Chu kombiniert in freier Malweise scheinbar alle Abbildungsmodi der westlichen und chinesischen Kunst. Auf seinen Bildern paaren sich abbildende mit nichtabbildenden Teilen, abstrakte Strukturen mit konkreten Farbfeldern. Formen lösen sich auf und verschmelzen. Es sind Bilder, die sich vor den Augen des Betrachters zu einem Ganzen aufbauen und einen Moment später wieder in Teile zerfallen, gemalte Collagen, die sich selbst decollagieren.
© Galerie Ling
Seit Mitte der 90er Jahre hat die sog. neue chinesische Kunst ihren Siegeszug um die Welt angetreten. Insbesondere die Sammlung Uli Sigg spielt dabei eine beherrschende Rolle. Die in dieser Sammlung vertretenen Künstler gelten als Repräsentanten, auf die jeder, der in den westlichen Ländern über chinesische Kunst spricht, hinweist. Diesen im Westen bekannten chinesischen Künstlern sind bestimmte Merkmale gemeinsam, so die totale Abbildlichkeit (Realismus), die plakative Farbigkeit, das Großformat, die Politisierung (eine provokante, zynische Haltung) und die Orientierung an westlichen Vorbildern.
Zwar sind die Bedeutung und die Fortschrittlichkeit dieser Kunst innerhalb des chinesischen Kontexts nicht zu leugnen, aber die einseitige Fokussierung auf diesen „plakativen Realismus“ führt dazu, dass leisere und differenzierte Töne unterschlagen werden. Damit gemeint sind ernsthafte, oft unscheinbare, individuelle Experimente, einen eigenen Stil zu entwickeln und damit die chinesische Kunst zu erneuern.
Solche künstlerischen Versuche zeichnen sich im Gegensatz zu den derzeit im Westen populären effekthaschenden Ansätzen durch wegweisende künstlerische Konzepte aus. Anders als beispielsweise der im Westen derzeit hofierte Ai Weiwei, der ein Interpretationsmonopol der politischen Situation Chinas für sich in Anspruch nimmt und diese für seine Kunst populistisch instrumentalisiert, haben die durch die Galerie vertretenen Künstler je eigene sehr differenzierte Lösungsansätze für unterschiedliche künstlerische Probleme. Ihre Kunst ist insofern politisch, als sie im besten Sinne des Wortes aufklärerisch und (geistig) befreiend wirkt, ganz im Sinne Immanuel Kants:
„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“
Die durch die Galerie vertretenen Künstler bedienen sich nicht nur ihres eigenen Verstandes, indem sie in vorbildlicher Weise eigene Wege gehen, sondern sie regen auch andere an, sich in gleicher Weise zu „befreien“. Sie sind Maler bzw. Zeichner, die ihre handwerkliche Meisterschaft in den Dienst der Fortentwicklung der chinesischen Kunst in Richtung Individualität stellen. Ihre Namen werden künftig nicht mehr unter bloß „chinesischer Kunst“ subsumiert werden, sondern auf einer Ebene mit anderen „internationalen“ bedeutenden Künstlern stehen.
Die Künstler unserer Galerie realisieren die aufgeklärte Avantgarde auf ganz unterschiedliche Weisen.
Zhang Hui kommt von der klassischen chinesischen Tuschemalerei und Kalligraphie. Neben reinen Bewegungsstudien in Tusche, malt sie mittel- und großformatige Ölbilder, die Impulse der klassischen Tuschemalerei aufnehmen. Mit fein aufeinander abgestimmten Farben erzeugt sie tiefgründige Seelenlandschaften, die nur scheinbar etwas abbilden. Anders als im Informel oder Tachismus geht es in diesen Bildern nicht nur um die Unmittelbarkeit des Ausdrucks, vielmehr gelingt es Zhang Huis Pinselführung, östlichen und westlichen Bildaufbau auf einer Leinwand zu verschmelzen. Sie ist eine der wenigen chinesischen KünstlerInnen, die die westliche Farbmetaphorik souverän in den Dienst ihres künstlerischen Konzeptes stellt.
Li Yan malt differenzierte Inszenierungen politischer Ereignisse. Wie ein Regisseur arrangiert er seine miniformatigen Bilder so, dass ihre Hängung die massenmediale Präsentation politischer Geschehnisse abbildet. Mit dieser Inszenierung stellt er visuelle Spannungen zwischen einer Vielzahl von Einzelbildern her, so dass hier eine Kunstform zwischen Malerei und Skulptur entsteht, die die Beziehungen zwischen den Einzelbildern betont und etwas sichtbar macht, was auf keinem der Einzelbilder abgebildet ist.
Fu Rao verfolgt ein ganz anderes Konzept. Er malt mit Bitumen, der ältesten Ölfarbe der Welt, seine geheimnisvollen braunen Bilder, in denen die Grenzen zwischen Gegenstand, Pflanze und Mensch verschwimmen. Seine Bilder wirken lebendig wie natürliche Gewächse. Sie sind im Entstehen und tragen doch bereits Spurten des Verfalls in sich.
Wang Chu kombiniert in freier Malweise scheinbar alle Abbildungsmodi der westlichen und chinesischen Kunst. Auf seinen Bildern paaren sich abbildende mit nichtabbildenden Teilen, abstrakte Strukturen mit konkreten Farbfeldern. Formen lösen sich auf und verschmelzen. Es sind Bilder, die sich vor den Augen des Betrachters zu einem Ganzen aufbauen und einen Moment später wieder in Teile zerfallen, gemalte Collagen, die sich selbst decollagieren.
© Galerie Ling
